Interview mit Heinz Knaus

Interview mit Heinz Knaus

Herr Heinz Knaus, Gründer und Geschäftsführer von Naturata GmbH Überlingen im Gespräch mit Regina Haller, Konzeptkünstlerin und Initiatorin des Landart Projekts „lass' 1000 Sonnen blühen“ 2001 – 2010 München in Überlingen bei Naturata am Mittwoch, den 17.09.2009.

Regina: Bio ist normal geworden im Supermarkt. Der Kunde hat die Wahl. Ist das Demokratie oder eine Illusion?
Hr. Knaus:
Es ist auf jeden Fall sinnvoll, dass Bio angebaut und mehr Flächen für Bio-Anbau da sind. Doch der Verbraucher muss sich informieren. Bio ist nicht gleich Bio.

Regina: Warum sind Sie mit Ihrem Angebot nicht in Flughäfen und Bahnhöfen präsent?
Hr. Knaus:
Wäre sinnvoll – müsste jemand machen.

Regina: Naturata ist ein erfolgreiches Modell - wirtschaften mit der Natur funktioniert! Ist das Modell übertragbar?
Hr. Knaus:
Das Modell Naturata ist natürlich übertragbar. Es gibt 20 Läden in Europa, vor allem in der Schweiz und in Luxemburg. Sie sind in der Größe begrenzt und individuell geprägt. Es gibt Ausbildungen und Studiengänge im Bio-Bereich, z.B. an der Universität Hohenheim.

Regina: Was ist das Wesentliche an dem Modell "Naturata"?
Hr. Knaus:
Nach Bedarf zu produzieren und nicht die Überschüsse erhöhen und Assoziationen innerhalb der Wertschöpfungskette bilden.

Regina: Das bedeutet?
Hr. Knaus:
Verständnis entwickeln - mehr Reden - eine Gesprächskultur entwickeln. Zu billig ist ausbeuten. Das ist ein Prinzip.
Ein Beispiel dafür ist der Milchpreis hier vor der Tür. Wenn der Verbraucher nicht versteht dass es einfach unmöglich ist einen Liter Milch für 15 Cent zu produzieren ist der Verbraucher "blind".
Die Sache ist anonym und wird immer mehr anonym. Nur wenn es mich wirklich interessiert entwickle ich Verständnis. Man muss sich kümmern um seine Sachen - jeder Kauf ist ein Auftrag an den Hersteller es wieder zu machen. Die Verantwortung kann man nicht abgeben.

Regina: Das heißt man soll sich Gedanken machen um so etwas wie den Milchpreis?
Also die Milch - und eigentlich auch die anderen Sachen - nicht nur aus dem Regal schnappen, möglichst billig? Es gibt so viele Sachen...
Hr. Knaus:
Billig ist nicht billig. Das Gefühl täuscht. Man macht es sich nur nicht bewusst.

Regina: Einkaufen macht Spaß!
Hr. Knaus:
Konsumieren ist nicht der Sinn des Lebens.

Regina: Was meinen Sie damit?
Hr. Knaus:
Wachstum in der Qualität und nicht in der Quantität, es muss sich viel ändern. Neue Wirtschaftsformen zu entwickeln ist wichtig. Indem wir aus Einsicht handeln entsteht Produktqualität und Wirtschaft bekommt eine soziale Qualität.

Regina: Die dreifache Buchführung belohnt durch Steuervorteile?
Hr. Knaus:
Eine Umweltbilanz für alle Betriebe ist sinnvoll.

Regina: Ist Bio "Retro"?
Hr. Knaus:
Im Gegenteil - mit unserer Ernährung gestalten wir tatsächlich unsere Zukunft. Die Ernährung ist eine wichtige Aufgabe für die Welt.

Regina: Kann die Natur nicht ganz gut ohne den Menschen auskommen?
Hr. Knaus:
Was wäre dann?

Regina: Es gäbe weniger Rosensorten...
Hr. Knaus:
Die Natur braucht den Menschen sehr wohl. Wir wollen eine Kulturlandschaft und keinen Dschungel und Denken ist die einzige Lösung - auch wenn´s schwerfällt.

Regina: Herr Knaus, ich bedanke mich für das Gespräch.




Heinz Knauss und
Sibylle Kauf
(Quelle: www.seezunge.ch)



Der Naturata-Laden mit Bio-Produkten in Überlingen

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