Interview mit Alexander Lauterwasser
Rani Schneider (Redaktion Kunsttunnel) und Alexander Lauterwasser im Atelier von Alexander Lauterwasser in Heiligenberg am Bodensee am Sonntag, den 04.12.2006.
Rani: Herr Lauterwasser, was sind Sie mehr - Künstler oder Wissenschaftler?
Lauterwasser:
Ich persönlich bin gegen die Trennung von Wissenschaft und Kunst, sie macht die Welt kaputt. Mein Arbeitsfeld sind Form- und Gestaltprozesse, die durch Schwingung erzeugt werden.
die Künstlersozialkasse lehnt mich ab, weil ich Wissenschaftler sei, und den Wissenschaftlern bin ich zu sehr Künstler.
Rani: Haben Sie schon alles entdeckt? Und langweilt Sie die Suche manchmal?
Lauterwasser:
Im Gegenteil, es wird von Jahr zu Jahr interessanter. Ich mache das nun seit 15 Jahren und ich entdecke immer wieder etwas Neues.
Rani: Stimmt es, dass alles mit einer Schildkröte anfing?
Lauterwasser:
Ja, mit 12 Jahren habe ich hier im Wald eine Schildkröte gefunden und ich habe angefangen Schildkröten zu züchten.
Rani: Was wollten Sie wissen?
Lauterwasseer:
Der Panzer hat mir gefallen - ich habe mich gefragt wie es kommt, dass alle Schildkröten von Madagaskar bis China das gleiche Muster haben.
Wie macht die Natur das? Was bedeutet es?
Rani: Haben Sei die Antwort gefunden?
Lauterwasser:
Form- und Gestaltprozesse werden durch Schwingung erzeugt. In jedem Atomkern ist Schwingung. Aus Klang entstehen Formen. Wie funktioniert das bei bestimmten Töne und Frequenzen, fragte ich mich.
Die Formen sind ja überall die gleichen - Löwenzahn im Hochgebirge ist viel kleiner als im Tal, doch die Form ist genau gleich.
Rani: Am Anfang haben Sie mit Sand und Klängen gearbeitet, oder?
Lauterwasser:
Das war der Herr Chladni. Er lebte zur Goethezeit (1756 -1827). Er bestreute Metallplatten mit Sand und setzte diese mit einem Geigenbogen in Vibration. Es entstanden geometrische Muster, die so genannten Chladnischen Figuren.
Rani: Sie arbeiten mit Wasser und Klängen. Wieso?
Lauterwasser:
Alles Lebendige hat mit Wasser zu tun. Wasser ist wie etwas Lebendiges. Für Chemiker nicht, doch das Wasser macht alles anders - das sollte nachdenklich machen. Es fällt tatsächlich aus dem gewohnten Rahmen.
Rani: Können Sie mir das bitte erklären?
Lauterwasser:
Ja, auf Grund seiner hohen Resonanzfähigkeit antwortet Wasser auf Schwingung und Töne mit Wellenbewegungen - mit Berg und Tal.
Stimmen Wassermenge, Temperatur und viele andere Faktoren mit der Tonhöhe überein, so können sich, inmitten des überall vibrierenden Wassers so genannte "stehende Wellen" ausbilden, die zusammen ein einheitlich schwingendes Ganzes ergeben, die eine erstaunlich Verwandtschaft mit Blütenformen haben.
Rani: Wie wenn man jemanden mag - das ist vielleicht auch so eine Form.
Lauterwasser:
Man kann annehmen, dass es die gleiche Schwingung ist die die gleiche Struktur hervorbringt - in allem Lebendigen. die Schwingung ist übrigens rhythmisch geordnet, dadurch gliedern sich die einzelnen Teile.
Rani: Das ist mir nicht klar....
Lauterwasser:
Nun, die einkeimblättrigen Blütenformen, wie beispielsweise die Irisarten und Lilien, sind in ihrem Aufbau durch das Gestaltungsprinzip "3" oder "6" bestimmt. Einige Pflanzen durch "4" oder "8".
Die größte Gruppe der Blütenpflanzen, die der zweikeimblättrigen sind die Rosengewächse. Sie sind ganz durch die Ordnungskraft der zahl "5" charakterisiert.
Die herausragende Bedeutung der Zahl "5" zeigt sich darin, dass aus dieser Zahl das Maßverhältnis des so genannten "goldenen Schnittes" hervorgeht. Diese Proportion bestimmt auch den Aufbau des menschlichen Körpers.
Bei diesem Relation wird jeder Teil und ein Ganzes bewahrt. Und zwar so, dass jeder Teil auch Teil am Ganzen hat und das Ganze durch das Teilungsverhältnis mitbestimmt ist.
Eine Situation entsteht, die jedem Teil Raum gibt.
Rani: Uns fiel auf, dass das Sonnenblumenmuster gleich ist wie eines Ihrer Wasserklangbilder im Weledaheft zur BuGa in München. Es ist eine Spirale.
Lauterwasser:
Es ist bei der Sonnenblume sogar eine doppelte Spirale. Sie ist mir nur einmal unfällig gelungen, mit einer Spirale nach links und einer Spirale nach rechts. Hier bei dem Kiefernzapfen gibt es auch eine doppelte Spirale. Sie ist vielleicht die Urform unseres Universums überhaupt.
(Beispiel Kiefernzapfen:21/34 =0,6176, 0,618)
Rani: Das Muster sieht kompliziert aus, es flimmert richtig und die Spiralen verschmelzen vor den Augen. Ohne Geodreieck könnte ich es nicht genau
zeichnen. Kennt die Sonnenblume den Winkel auswendig und stimmt er immer?
Lauterwasser:
Der Winkel stimmt immer - übrigens kennt den auch jedes Gänseblümchen.
Auch der Mensch...
Rani: Wie?
Lauterwasser:
bei allen doppelspiraligen Naturformen wie Kiefernzapfen und Sonnenblume usw. sind die links- und rechtsdrehenden Spiralen nie von der gleichen Anzahl sondern immer z.B. 5 links und 8 rechts, oder 8 links und 13 rechts oder 13 links und 21 rechts. Dies sind die so genannten berühmten Fibonacci- Zahlen:5+8= 13,13+8=21, 21+13034 usw.
Die Brüche dieser Zahlenreihe z.B. 21: 13nähern sich immer mehr der Zahl 0,618.. :
Dies ist genau das Proportionsverhältnis des berühmten goldenen Schnittes, nachdem der menschliche Körper, viele Pflanzen und auch eine der berühmten Pyramiden gebaut ist.
Das einzige Teilungsverhältnis bei dem in den beiden Teilen das Ganze (aus dem sie durch dessen Teilung hervorgegangen sind) nicht völlig zu Bruch geht!!!!!!!!! das individuelle Lebewesen bewahrt immer den Bezug zum ganzen der Welt!!!!!!!!!!!! das ist sehr sehr sehr wichtig, denn nur so kann Leben überhaupt existieren!!!!!!!
Rani: Herr Lauterwasser, herzlichen Dank für das Gespräch.


